Rio, ciudade maravilhosa, good bye!

Tag des Staunens
Achtung, dieser Beitrag ist der letzte aus Rio, somit auch länger als die anderen:
Mein letzter Tag in Brasilien beginnt früh: 1.15 nachts holt uns das Taxi ab zum Flughafen.
Cuiaba, die Stadt, die Anfangs- und Endpunkt jeder Pantanal-Reise ist, spricht uns gar nicht an. Es ist heiß und schwül, das Hostel leer und runtergekommen (ganz anders als auf den Bildern im Internet). Das schlimmste aber war: in diesem Zimmer waren so viele Moskitos!!! Wir haben versucht, sie zu erschlagen, aber immer wieder tauchte eins auf. Für mich nach meiner West-Nil-Fieber-Erkrankung von 2014 der blanke Horror. Einmal mehr war ich glücklich über mein Moskitozelt:)
Grr. Eine hat mich trotzdem erwischt. Hoffentlich war sie „sauber“.

So, nach diesem kleinen Exkurs zurück zu diesem grandiosen Tag.
Der Rezeptionist hatte es geschafft, unseren Flug einen Tag vorzuverlegen, ohne dass uns Kosten entstehen, und wir einen weiteren Tag in Rio verbringen können!
Anica hatte, während ich die Flugumbuchung regelte bei Booking.com nach einem guten Deal gesucht.
Mir sagte sie nur, hab was nettes an der Copacabana für 40€ die Nacht gefunden.

Also, erster Glücksmoment: dieser nette Rezeptionist, der uns so geholfen hat und sich leider nicht zum Abendessen einladen lassen wollte. Er sei sein Job, meinte er mit einem Lächeln.

Zweiter Glücksmoment
Mein Kilo Übergewicht wird nicht bemerkt bei der Gepäckaufgabe.

Dritter Glücksmoment
Ankunft wieder in Rioc was sich anfühlte wie „heimkommen“ nach den 3 Wochen dort. Es fühlte sich einfach sehr vertraut an. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel.
Und dann kamen wir etwas müde in diesem Hotel um 7.30 Uhr an. Ich wünschte mir nur, dass wir schon Einchecken konnten.
Achtung: unsere Koffer wurden von Trägern im Anzug und feiner Mütze entgegengenommen und wir wurden zur Rezeption geleitet… An der Rezeption entdeckte ich den Normalpreis: 400€ pro Nacht!
Das würde ein königlicher Abschlusstag werden!

Etage 16, direkt neben dem Aufgang zur Dachterrasse mit Pool und Blick über die Copacabana!

Vierter Glücksmoment
Das Frühstücksbüffet! Früchte ohne Ende, alles was das europäische und brasilianische (viele süße Kuchen) Herz begehrt. So brunchten wir ausgiebig. Ich bekam den Mund kaum zu vor Staunen wie sich unser letzter Tag, den wir gar nicht geplant hatten, entpuppte:)

Fünfter Glücksmoment
Um zehn Uhr standen wir bereits mit den Füßen im warmen Sand der Copacabana. Einen Tag schön dort entspannen. Das hatten wir während der Spiele nicht geschafft, ständig stand ein Sportevent oder andere Dinge auf dem Programm. War auch schön, nun aber volle Entspannung.
Ein freundlicher Brasilianer bot uns sofort eine Liege an, wir gönnten uns die Luxusversion mit Sonnendach für 3€.

Jetzt lag ich einfach nur da mit meinem Buch, Wellenrauschen und einer lieben Freundin auf der Liege nebenan.
Was braucht man mehr?

Life at Copacabana Beach
Es ist einfach ein Erlebnis, das dachte ich schon damals 2013 als ich hier mal am Strand saß:

An der Copacabana ist Platz für alle, daher ist es spannend, einfach dazusitzen und Menschen zu beobachten.
Brasilianer aus allen Gesellschaftsschichten, Touristen und „Verkäufer“.
Die Verkäufer, die ganze Schirme voller Bikinis am Strand entlang tragen. Andere, die Strandtücher, Sonnenbrillen, Hüte, Shrimps-Spieße, Eis und natürlich Caipirinha anbieten.
So ein Caipirinha-Verkäufer bot uns bereits um 11 Uhr das Nationalgetränk mit einem strahlenden Lächeln an. So früh wollten wir keinen Alkohol trinken, so brachte er uns einen Saft. Wir mussten ihn nicht einmal gleich bezahlen, er meinte er käme noch öfter vorbei.
Und so war es: nicht aufdringlich, alle zwei Stunden kam er mit einem neuen Getränk zum Probieren und ganz zum Schluss zahlten wir und hatten den netten Kerl irgendwie ins Herz geschlossen.

Die Bade-Mode zu betrachten ist ein andere spaßige Beschäftigung, während man an diesem Traumstrand liegt.
Für Männer wie für Frauen ist es offensichtlich Kult, sich hier zu präsentieren: daher stehen sie oft zum Trocknen herum und kämmen sich, stellen ihre muskulösen Körper zur Schau, ihre Tatoos oder „Popos“. Denn gerade die weibliche Bade-Mode geht wohl nach dem Prinzip: je weniger Stoff, um so besser – egal wieviel Körpermasse man hat…

Selbst die kleinsten Mädchen tragen schon Tanga…

Schön ist es einfach zu erleben, wie viele Menschen aus so vielen Ländern und unterschiedlichen Aussehens friedlich den Tag miteinander verbringen.
Und ständig tollen die goldigsten Kinder vorbei: schokobraun mit hellen Locken, weiße Kinder mit schwarzen Afrolocken und schwarze Kinder, wie ich sie aus Südafrika kenne.
Was ein Melting pot hier und alle sprechen Portugiesisch. Einfach nett.

Sechster Glücksmoment
Die Sonne brennt, nach einer halben Stunde muss ich mich abkühlen.

Trotz Erkältung springe ich in die Wellen – die SEHR erfrischend sind…
Die Strömung ist enorm, schwimmen ist etwas schwierig, aber das Eintauchen in die heranrollenden Wellen – einfach nur herrlich!
Ich stelle wieder einmal fest, wie sehr ich Strand und Meer liebe!
Und auch hier staune ich wie ein Kind über die Schönheit dieser Stadt zwischen Meer, Bergen und tosenden Wellen.
Wirklich eine „Ciudade marhavilhosa“ (wunderbare Stadt)!

Siebter Glücksmoment
Während dieser entspannten Stunden lese ich ein wunderbares Buch.
Schon lange hat mich kein Buch mehr so berührt.
Eigentlich hatte ich es nur wegen des Titels eingepackt: Zirkus der Stille – wenn sich der Vorhang zum Leben öffnet.

Erst dachte ich: Nette Geschichte. Doch am Ende hat der Autor so treffend dieses Gefühl beschrieben, was ich immer fühle, wenn ich Zirkus mit Kindern mache, selbst auftrete oder ein schöne Zirkusshow sehe: es ist dieses absolute Staunen, das im Zirkus entsteht. Menschen machen unmögliche Bewegungen. Wachsen über sich hinaus, schaffen poetische und spektakuläre Momente, die andere Menschen und die Artisten selbst tief im Herzen berühren.
Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich endlich ein Wort für dieses schöne Gefühl gefunden hatte, das ich immer mit Begeisterung und Leidenschaft beschrieben habe, aber immer irgendwie dachte, es passte nie so ganz.

Das Gefühl in Worte fassen

Es ist dieses absolute Staunen, das ich in so vielen glücklichen Momenten im Leben gefühlte habe und immer wieder fühle. Dieses Staunen, in dem ich alles drumherum vergesse.

Ich kenne das Gefühl von meinem ersten Auftritt an, wo ich selbst über meine Fähigkeiten überrascht war und gestaunt habe, was mit Bällen möglich ist. Das gleiche aber gilt für die Zuschauer, die dieses Gefühl zurückwerfen, wenn ein Artist es schafft, sie mit seiner Kunst zu berühren.

Das gleiche Staunen hatte ich hier in Brasilien nun fast täglich und ich fühlte mich pudelwohl! Staunen über die Schönheit dieser Stadt mit ihren Bergen und überwältigenden Ausblicken auf die schönen Strände, Staunen über die extremen Leistungen, die die Sportler vollbringen und Rührung, wenn Freude und Leid so knapp beieinander liegen. Staunen über die Vielfalt der Menschen, die hier friedlich zusammenkommen und den Olympia Spirit kreieren, der mich so magisch anzieht. Staunen über die Freundlichkeit der Menschen (kleiner Plausch mit dem Kokosnuss- oder Caipi-Verkäufer, den Taxifahrern oder den Volunteers), ihre Hilfsbereitschaft und ihr Lachen. Staunen über ein Zirkusprojekt, das mit einer unglaublichen Herzenswärme und Idealismus geführt wird.
Staunen über eine Tierwelt (in Pantanal), die für mich völlig neu war.
Alles, was ich mag, war hier bei den olympischen Spielen vereint und danach immer da und immer war da dieses schöne Gefühl, das schwer zu beschreiben ist.
Der Autor des Buches, Peter Goldhammer, hat es für mich in Worte gefasst: Das absolute Staunen.
Wie schön.

Achter Glücksmoment
Nach 6 Stunden Entspannung und Bräunen an der Copacabana machen wir uns auf zum Pedra do Aproador.
Es soll der beste Platz sein, um den Sonnenuntergang in Rio zu erleben. Eine kleine Landzunge der die Strände Ipanema und Copacabana trennt.
Es ist wirklich schön!
Unzählige Surfer nehmen die besten Wellen im gleißenden Abendlicht.
Die Kulisse ist herrlich: man blickt auf die Dois maus ? Und die Luxusappartments von Ipanema und sitzt mit einem Caipi auf den Steinen und genießt die Stimmung.
Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet und den Himmel rot färbt, applaudieren alle Menschen, die hier sitzen – staunend über dieses Naturspektakel;)

Was ein herrlicher letzter Tag in dieser Stadt, die mir echt ans Herz gewachsen ist.

Neunter und zehnter Glücksmoment
Am nächsten Tag, dem am Abflugtag, folgen noch zwei Glücksmomente:

Ich habe unglaublich gut geschlafen in diesen Luxusbetten, da kann mir ein 12-Stunden-Rückflug gar nichts mehr anhaben.
Als wir uns nochmal für 30 Minuten  zum Abschied an die Copacabana begeben und ein letztens mal den Sand und die Wellen spüren, lassen wir unsere Flipflops etwas weiter oben im Sand stehen. Wir machen Fotos und genießen noch einmal die Atmosphäre.
Als wir zurückkommen sind die Flipflops weg!
Wir können es kaum glauben, dass uns jetzt am letzten Tag doch noch etwas geklaut wird….
Während wir suchend herumlaufen, kommt ein netter Caipi-Verkäufer auf mich zu mit unseren Flipflops in der Hand und klärt uns auf, dass man seine Schuhe hier nicht einfach so rumliegen lassen darf, sonst sind sie weg…
Wie nett! Manchmal frage ich mich, wieso immer mir diese schönen Momente passieren und Gott sei dank nicht diese, von denen immer alle berichten. Vielleicht gibt es doch einen Weltenbummler-Schutzengel.

Wir bedanken uns von Herzen, er bietet uns gleich einen Caipi auf den Schreck an, doch wir lehnen dankend ab – um 10
Uhr morgens ist es doch etwas früh.

Am Flughafen zittere ich etwas vor dem Aufpreis, den ich für meine Uniformen und Souvenirs, die 5 kg Übergepäck ausmachen zahlen muss (ca. 80 € steht im Internet). Die Frau am Schalter ist etwas überfordert, weil vorher ein Hund eingecheckt wurde und so winkt sie mein Gepäck einfach durch ohne auf die Waage zu schauen!

In diesem Sinne: Good bye Rio und „Até logo! (Bis bald)

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